Auszüge

"Mauerwa(e)nde"
 
von Brigitte Albrecht
ISBN 978-3-9811980-2-7
HUMAN-Verlag

Preis: 8,90


Beschreibung eines Berliner Mauerweges zwischen Schönholz und dem S-Bahnhof Bornholmer Straße, eine Liebeserklärung an einen Radwanderweg mit historischer Bedeutung: Berliner Geschichte, deutsch-deutsche Geschichte und ein Dankeschön an die Japaner für ihr kostbares Friedensgeschenk: viele tausend Zierkirschbäume für ehemalige Ost-West-Grenzstreifen.

Aus einem „Todesstreifen“ entwickelte sich ein „rosa Streifen“, als Teil vom „Grünen Band Europa“, gefeiert als „Europäisches Naturerbe“.
In der Anlage ein Zeitzeugenbericht von der Grenzöffnung 1989 an der Bornholmer Brücke. Gegen das Vergessen!

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"Stumme Zeugen der Vergangenheit" - Dokumentation vom ehemaligen Heeresbekleidungsamt / sowj. Militärgelände
1. Auflage 2005


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"Reflexionen" - 
10 Jahre Schreibwerkstätten in Bernau
1. Auflage 2007


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Postkartenbuch: Unsere Stadt blüht auf - Bernau durch die Blume betrachtet

mit 10 Postkarten zum Abreißen  /  Preis: 4,50 EUR  /  ISBN 978-3-9811980-1-0



Bestellen Sie gleich hier per eMail:
albrecht@human-verlag.de

 

Seit ich dich kenne

 Seit ich DICH kenne,
bist du ein Stück von mir,
auch wenn du gar nicht bei mir bist.
Ich lebe!
DU bist der Mittelpunkt in meinem Herzen.
DU bist der Halt in meinem Leben.
Habe ich Kummer, habe ich Schmerzen,
gibst DU mir Kraft!
Ich lebe, ...
seit ich DICH kenne!

           

Die GROSSE LIEBE

 Die GROSSE Liebe bist du für mich,
wenn ich in deinen Empfindungen Tiefe
und in deinen Handlungen Stärke spüre,
ohne dass du mich erdrückst;
wenn ich in beiden deine Konsequenz nicht vermisse,
ohne dass ich selbst inkonsequent werde;
wenn dein Geist mich durchdringt,
ohne dass du mich berührst;
wenn ich mir von dir ein Bild machen kann,
ohne dass ich mir alles mit dir nur einbilde;
wenn ich von deiner Kraft und Güte zehren kann,
ohne dass ich dich dadurch zerstöre.
Dann bist du für mich GROSS,
auch wenn dein Körper nicht hoch hinausragt.

Einsamkeit

Von Zufriedenheit umhüllt
und verzaubert durch dich,
gab ich mich hin und übersah,
dass nichts der Wahrheit glich.
Fasziniert vom Traum
und viel Sinn für Gefühl,
verlor ich die Realität.
Plötzlich war alles so kühl.
Ein Gefühl gähnender Leere
warf mich ins wilde Meer hinein.
Ich suchte Wärme und Halt
und war doch in den tobenden Wogen allein.
Erstarrt vor Kälte,
unterkühlt durch Einsamkeit,
such ich wieder nach Liebe
und träume erneut von einer Zeit zu zweit.

Verbotene Liebe

Über GE(H)N-Forschung

Welches GEN erhält jung? - Das Fremd-GE(H)N!

(Verfasser unbekannt)

Auch GE(H)N- Forschung ist nur interessant,
wenn du selbst daran interessiert bist.

Nora Schwartz


Er war Chemiker und auch seine Frau
ging immer wieder neue Verbindungen ein.

(Verfasser unbekannt)




Der einzige Versuch, eine Versuchung loszuwerden, ist, ihr nachzugeben.

Oscar Wilde; engl. Schriftsteller; 1854-1900

 
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"Stumme Zeugen der Vergangenheit" - Dokumentation vom ehemaligen Heeresbekleidungsamt / sowj. Militärgelände
1. Auflage 2005

       Stadt BERNAU bei Berlin

„Das wehrhafte und befestigte Bernau zählt zu den ältesten Garnisonstädten der Kurmark“ ...  Seit 1649! – So steht es zu lesen im Artikel „Garnisonen und Einquartierungen in Bernau – Ein Überblick“ von Horst Werner, dem Chef des Bernauer Heimatvereins, im „Eberswalder Jahrbuch für Heimat-, Kultur- und Naturgeschichte 2000/2001“ vom Verein für Heimatkunde zu Eberswalde e. V. Wer sich dafür interessiert, der sollte diesen Artikel wirklich mal in Ruhe lesen. Er geht bis zum Abzug der letzten Truppenteile und ist somit eine kleine Fundgrube.

                             HALT!
                     SPERRGEBIET!

Das steht noch heute draußen dran! – Die Rede ist von einem der vielen ehemaligen Militärobjekte unserer Stadt, dem Heeresbekleidungswerk. Es wurde etwa von 1939 bis ’42 gebaut. 
Von 1941 bis ’45 wurde es von der Deutschen Wehrmacht genutzt, von 1945 bis ‘94 (? – die letzte Inschrift fand ich von 1995) von 
der Sowjetarmee und liegt seitdem brach. Im Jahr 1942 wurde das Heeresbekleidungsamt mit rund 1300 Mitarbeitern von Berlin nach Bernau verlegt. Während das Hauptamt mit der Verwaltung an der Schwanebecker Chaussee einquartiert wurde, befand sich das Nebenlager am Schönfelder Weg 17. Das Areal ist etwa zwanzig Hektar groß. Es befindet sich zwischen dem Schönfelder Weg, dem Teufelspfuhl am Bahngleis und der Albertshofer Chaussee. Optisch betrachtet entspricht diese Fläche ungefähr der halben Innenstadt. Eigentümer ist die BBG – Brandenburgische Boden Gesellschaft für Grundstücksverwaltung und –verwertung mbH in Wünsdorf.

Seit dem Jahr 2003 sind durch die Vermittlung des Sozialamtes im Allgemeinen halbjährlich rund 20 Arbeitskräfte, Sozialhilfe-
empfänger oder anders sozial schwache Langzeitarbeitslose, auf diesem Gelände mit Aufräumarbeiten beschäftigt. Das Ganze ist 
ein vom Bund und der Europäischen Union gefördertes Projekt für gemeinnützige Arbeit mit Hilfe zur Arbeit mit einer Arbeitszeit von 8.00 bis 14.30 Uhr, einschließlich Pausen.

Als ich Ende Juni 2004 vom Sozialamt das Arbeitsangebot für
Beräumungsarbeiten im o. g. Objekt bekam, habe ich im ersten
Augenblick etwas mit mir selbst „gekämpft“. Ja, das gebe ich ganz
offen zu. Da muss es schon mal erlaubt sein, wenigstens sich selbst
die Frage zu stellen, ob man dafür sein Leben lang die Schulbank
gedrückt hat. Doch was nutzt einem der höchste Bildungsstand,
wenn der Vermögensstand im tiefsten Keller liegt? Meiner liegt
zurzeit im siebten Untergeschoss! Und überall ist „ohne Moos nix
los“! Da MUSS man sich ganz einfach, der Not gehorchend, mit
„Keller-Geschichten“ befassen. Da freut man sich riesig, wenn man
LICHT an Oberkante-Terrain erblickt. In solchen Situationen ist es
völlig zwecklos, nach dem WARUM zu fragen. Ich gehe schon
jahrelang einfach immer nur noch durch die Tür, die sich gerade für
mich öffnet. Auf jedem neuen Weg versuche ich, das Beste draus 
zu machen und Menschen zu finden, die mich ein Stück des neuen
Weges begleiten. Die Erfahrung lehrte mich, dass diese Einstellung
sehr gut ist. Denn je tiefer man steht, desto größer sind die Auf-
stiegschancen! Auch ich weiß, dass es Größeres und Schöneres 
gibt als olle Kellertreppen und -leitern. – 

                                                       - 1 -
Das ganze Leben ist ein Treppenlauf; mal geht ’s runter, mal geht ’s rauf; und manchmal sollte man ruhig einen Seiten- oder Queraufstieg wagen.
Die Leiter,
immer ein
Hilfsmittel
für
Aufstiegs-
chancen.
Weil ein Langzeitarbeitsloser Zeit im Überfluss hat, habe ich unter anderem die viele Zeit, die mir in den letzten Jahren zur Verfügung stand, dafür genutzt, um meine neue Heimat, den Landkreis Barnim und die Stadt Bernau, in Text und Bild festzuhalten; erstmal nur für mich selbst. Solange mir niemand eine „Finanzspritze“ gibt, bleibt auch alles in meinem „Schatzkästlein“, ganz nach dem Motto: „Kommt Zeit, kommt Rat“. Die Zeit hat schon bewiesen, dass immer mehr Menschen an meine Seite rücken. Im April 2000 begann ich ganz keck mit meinen ersten Gedichten in „Arten der Liebe“ meinen neuen „Über-Lebens-Weg“ zu testen. Meine Kinder und ich brauchten zwischenzeitlich einfach was zu „knabbern“. Pfingsten 2000 startete ich auf der Freizeit- und Tourismusmesse am Werbellinkanal in Eichhorst meine erste Fotoschau. Danach habe ich mich mehrmals erfolgreich an Schreib- und Fotowettbewerben beteiligt und reiste rund drei Jahre mit Fotoausstellungen und Lesungen durch die Gegend. Inzwischen grüßt man mich überall sehr nett und macht mir Mut: „Machen Sie weiter! Sie haben eine sehr gute Lobby!“ – Das ist sehr schön und gibt Kraft, doch leider kann man davon keine Miete zahlen und satt wird man davon auch nicht. – Aber so kam es, dass ich im Juni 2004 gerade mein Manuskript für das geplante Buch „Spurensuche in und um Bernau bei Berlin“ fertig hatte. Schon das war für mich fast ein „jubelnder“ Grund, den mir empfohlenen Job anzunehmen. Denn die Spuren von einem alten Militärgelände hatte ich zwar erwähnt, aber noch nicht aufgenommen. – Nie hätte ich besser mit diesem Objekt konfrontiert werden können, als durch direkte Arbeit. Wer kommt schon so dicht ans Geschehen ran? Nur diejenigen, die den Dreck weg machen. – Und DAFÜR machte ich mir gern die Hände etwas schmutzig.

Ja, es war schon nicht gerade der idealste Arbeitsplatz: OHNE Wasser, OHNE Strom, OHNE Heizung! Das erste Wasser brachten Kollegen von zu Hause mit. Dann gewährten uns die Stadtwerke Wasserentnahme auf dem Gelände. Vom erwirtschafteten Geld wurden Notstromaggregate und andere Gerätschaften gekauft; jeden Monat etwas mehr. Als die Sonne nicht mehr wärmte, wurden transportable Öfen aufgestellt und mit Holz beheizt, das es ja in Hülle und Fülle gab. Diverse City-WC-Häuschen standen schon vorher auf dem Gelände. – Ich habe zum Himmel gebetet, dass er uns sehr lange einen schönen Herbst schenken möge. Er muss es gehört haben. Bis in den November hinein war es relativ warm. – Zwischendurch fragte mich eine Bekannte: „Sag mal, warst du im Urlaub? Siehst richtig gut aus!“ Da konnte ich etwas cool reagieren: „Nö, nur arbeiten!“ – Ja, so gut kann unter Umständen das Ergebnis aussehen von sechs Stunden pro Tag Frischluft-pur.
Wer kann schon von sich behaupten, dass er in der TAT geholfen hat, deutsch-sowjetische Geschichte aufzuarbeiten? WIR alle, die sich dort die Hände (und die Lunge?) etwas schmutzig gemacht haben, können das!

                                                       - 2 -



Morgens um acht Uhr begann die Arbeit. Bis dahin stand der „Wachposten“ vor dem Tor am Schönfelder Weg. Danach wurde wieder abgeschlossen, schließlich ist das Gelände immer noch für die Öffentlichkeit gesperrt.

Wache vor dem Tor

Haus 1 
Gleich links hinter der Mauer, um die Ecke herum, saß früher die Kommandantur. Ein barackenähnlicher Bau und eine große Hunde- Hütte sind noch Zeugen der Vergangenheit. Alle anderen Gebäude waren geplant für die Lagerung und Verteilung von Uniformen und Ausrüstungen der Truppenteile. Heute würde man dazu Logistikzentrum sagen. Weil wäh- rend der Bauzeit der Zweite Weltkrieg aus- brach, wurden die Bauarbeiten unterbrochen. 
Arbeitsbeginn
Weder die Deutschen noch die Sowjetsoldaten haben sie je vollendet. Noch heute sieht man teilweise fehlenden Innenputz und außen unvollendete Klinkerfassaden. Auch die Verbindungsbauten zwischen den einzelnen Häusern fehlen bis heute. Man sieht noch, wo welche geplant waren. Die Türen sind drin, aber sie führen zum „freien Fall“, wenn man sie öffnen würde. Im Großen und Ganzen zeugen aber alle Gebäude von sehr hoher Bauqualität. Die Schäden, die in über fünfzig Jahren entstanden, sind nur auf mangelnde Instandsetzungsarbeiten zurückzuführen.

Das Objekt besteht aus acht Gebäuden, die in einem leichten 
Bogen T- und I-förmig angeordnet sind. Von der Rückseite waren
alle Gebäude an das Schienenbett der Deutschen Reichsbahn
angegliedert.


Lageplan – 
aus Haus 5
Umschlagplatz
Jedes Gebäude hat vier Etagen. Jede Etage hat eine Raumhöhe von rund vier Meter; Keller- und Dachgeschoss weniger. Die I-förmigen Gebäude haben eine Fläche von rund 1000qm je Geschoss, die T-förmigen von rund 3000qm. Das muss man sich mal vorstellen, wie viele Wohnungen da in einer einzigen Etage sein könnten. Nur mal zum Vergleich: Im Plattenbau hat eine Drei-Raum-Wohnung rund 60qm. Bei 3000qm wäre das ein Wohnblock mit fünf Geschossen und fünf Aufgängen auf einer einzigen Etage. – So viel Platz ist zum Beispiel in den Häusern 1, 3, 5 und 7 (auf dem Foto von links nach rechts).
                                                       - 3 -



        Stumme Zeugen der Vergangenheit
„Bald komme ich nach Hause“ , das steht an sehr vielen Keller-
wänden. Den letzten Vermerk fand ich von 1995 in Haus 1, obwohl
zu dieser Zeit offiziell die Truppenteile schon abgezogen waren. – Inschriften entdeckte ich überwiegend in Keller- und Dach- geschossen, ganz vereinzelt draußen.

Interessant waren die WC-Einrichtungen. Im Haus 7 wohnten viele Soldaten. Im linken Gebäudeteil vom Haus 8 war die Kaserne, rechts der Küchentrakt. Dort gab es fast überall Hockklosetts. Die haben den Vorteil unseren gegenüber, dass man sich nicht so schnell oder gar keine Geschlechtskrankheiten einhandeln kann. Vielleicht wurden deshalb teilweise deutsche WC’s eingemauert?
Wir fanden auch „Wandzeitungen“. Die eine zeigte Fotos aus alten Zeiten; wie alles genutzt und eingerichtet war. Auf der anderen war dargestellt, wie die Vorgesetzten die Hygiene bei den Soldaten zu kontrollieren hatten.

                                                       - 4 -
 
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"Reflexionen" - 10 Jahre Schreibwerkstätten in Bernau
1. Auflage 2007
 
Gedanken zum Schreiben
Irmgard Breitkopf
Festhalten 
den Gedanken,
das Ereignis,
das Erlebnis.
Festhalten 
den zeitlichen Bezug,
den Ort,
das Geschehen.
Festhalten 
die Empfindung,
die Lust,
das Glück.
Festhalten 
die Enttäuschung,
den Schmerz,
die Trauer.
Festhalten 
die Verarbeitung,
die Neuzuwendung,
den Neuanfang.
Weil es sich lohnt für mich.
Weil es mein Leben reicher macht.
 
Frauen
Sylvia Janitzky
Frauen gehen gerne zum Friseur.
Frauen achten auf ein gepflegtes Äußeres.
Frauen bewegen sich anmutig.
Frauen putzen gern die Wohnung.
Frauen können gut kochen.
Frauen haben hin und wieder hysterische Anfälle.
Frauen entscheiden aus dem Bauch heraus,
sie lassen ihren Gefühlen freien Lauf.
Frauen tun intuitiv das Richtige,
sie sind wankelmütig und schnell beeinflussbar.
Frauen lesen meistens Liebesromane.
Frauen interessieren sich für Mode,
sie interessieren sich nicht für Politik.
Frauen sind mit moderner Technik überfordert.
Frauen brauchen nicht zu studieren.
Frauen können nicht logisch denken.
Frauen sind äußerst komplizierte Wesen.
Ich bin eine Frau
und ich gehe nicht gern zum Friseur. Manchmal sehe ich ungepflegt aus, wenn mir als Fahrradfahrerin der sandige Matsch an Stiefeln und Hose geschleudert und meine Haare vom Winde zerzaust worden sind. Wenn ich müde bin, werden meine Schritte plump. Ich sollte nicht so in der Wohnung umhertrampeln, hat sich mein Nachbar unter mir schon oft beschwert.
Ich bin eine Frau
und ich putze nicht gern in der Wohnung, denn jeder Putzerfolg ist von so erschreckend kurzer Dauer. Die Fähigkeit zu kochen wurde mir nicht angeboren, ich muss es erst lernen. Ich habe ein ruhiges und ausgeglichenes Wesen, hysterisch bin ich noch nie gewesen.
Ich bin eine Frau
und lasse mir alle Entscheidungen gründlich durch den Kopf gehen. Meine Gefühle müssen da manchmal außen vor bleiben. Wenn ich intuitiv handle, trete ich fast immer ins Fettnäpfchen. Wankelmütig bin ich nicht, weil ich weiß, was ich will.
Ich bin eine Frau
und ich lese viel, aber keine Liebesromane. Ich interessiere mich nicht für Mode. Meine Kleidung hat in erster Linie bequem zu sein. Ich interessiere mich aber für Politik. Die Herren "da oben" hole ich mir herunter in meine alltägliche Welt.
Ich bin eine Frau
und benutze täglich moderne Technik. Sie nimmt mir viel Arbeit ab. Ich studiere, weil ich ein bestimmtes Berufsziel erreichen will. Im Studium habe ich gelernt, wissenschaftlich zu arbeiten. Logisch denken konnte ich schon früher.
Ich bin eine Frau
und überhaupt nicht kompliziert. Da ich mich ausdrücken kann, werde ich verstanden. Sogar von einem Mann.
Ich bin eine Frau
und ich fühle mich wohl, weil ich ganz ich selbst sein kann.
 
Dämmerung
Gerhard Zimmermann
Abenddämmern! Auf die Dächer
breitet sich die laue Nacht,
wischt das Blau des Himmels sacht
fort mit violettem Fächer.

Erste Lichter zögernd blinken,
kämpfend mit dem letzten Tag,
der noch gar nicht scheiden mag,
in die Dunkelheit zu sinken.

Silhouetten wachsen sacht,
sich vom Horizonte hebend,
um doch bald, sich still ergebend,
zu zerfließen in der Nacht.
 
Der erste Kuss
Irmgard Breitkopf
Die Lippen aufeinanderdrückend
hielten beide still.
jeder glaubte,
dass der andere es so will.
Mehr wussten sie noch nicht
zu machen.
Sie waren ja erst vier
und fingen kichernd an zu lachen
 
Eine Geschichte über Mutter
Ilse Karsten
Es war im Herbst 1945; seit der Rückkehr von unserer Flucht wohnten wir wieder bei unserem Bauern in Börnicke, jetzt in der so genannten Schnitterwohnung. Ja, wir lebten noch, trotz des Hungers und der Not, die wir durchmachten. So war es logisch, dass die Eltern versuchten, unsere Lage zu verbessern. Hinter dem großen Garten unseres Bauern lag eine kleine Ecke ungenutzten Landes, von Bombentrichtern zerfurcht. Hier hatten amerikanische Bomber im März 1945 Bomben und Luftminen abgeworfen. Mutter fragte unseren Bauern, wem dieses Stückchen Land gehöre und ob wir es eventuell als Garten nutzen könnten? Da es zum Besitz des Bauern gehörte, war er damit einverstanden. Am nächsten Wochenende gingen die Eltern mit uns dorthin. Unterwegs schwärmten wir von selbstgezogenen Mohrrüben, richtigem Spinat und eigenen Kartoffeln. Vater ging mit einem geborgten Spaten daran, die Trichter zuzuschippen. Der Bauer hatte uns einen kleinen Haufen Dung geschenkt. Mutter wollte mit der darin steckenden Mistgabel diesen auf dem Land verteilen.
Da kam plötzlich laut brüllend und wild gestikulierend ein Mann auf uns zu, Liezinski, ein Schweitzer, wie man hier die Melker nannte. Er war für seinen Jähzorn verschrien. Er brüllte: "Runter, ihr Pack, das ist mein Land!" und schwang drohend einen Spaten gegen uns. Mutter sagte ruhig: "Nein, das ist unser Land, der Bauer hat uns erlaubt, es zu nutzen." Liezinski aber schrie weiter: "Nichts da, es grenzt an meinen Garten, das ist mein Land, wer mir in die Quere kommt, den erschlag ich mit dem Spaten!"… usw.
 
Irina
Gerhard Zimmermann
Karl, Egon und Willi standen in dem leeren Saal der im Rohbau fertigen Textilfabrik in Narwa, einer Hafenstadt im Norden Estlands, das als Teilrepublik zur Sowjetunion gehörte.
Alle drei waren Kriegsgefangene, die man vier Jahre nach Kriegsende immer noch hier festhielt. Sie arbeiteten als Elektriker und hatten die Aufgabe, die notwendigen elektrischen Leitungen in den Fabriksälen zu verlegen, um später Maschinen installieren zu können. Da wieder einmal Material fehlte, standen sie am Fenster, unterhielten sich und warteten, dass der russische Brigadier Nachschub brachte. Aber das würde wohl bis morgen dauern.
Karl, ein großer, schlanker Mann, sog gedankenverloren an seiner selbst gedrehten Machorka - Zigarette. Er dachte an die hinter ihm liegenden schweren Jahre im Waldlager, wo sie alle beinahe umgekommen, verhungert oder bei minus 45 Grad Kälte erfroren wären. Dagegen ging es ihnen hier doch gut. Vor allem, seit ihn Egon zu den Elektrikern geholt hatte. Jetzt war er "Spezialist".
In dem ausgedehnten Gelände der alten und neuen Textilfabrik arbeiteten drei Elektrikerbrigaden zu je zehn Mann. Davon bestanden zwei aus deutschen Kriegsgefangenen. In der dritten arbeiteten Russen. Für jeden Monat wurden vom "Natschalnik", dem leitenden Ingenieur, die zu leistenden Arbeiten festgelegt und das, was dafür bezahlt wurde. Andrej, ihr russischer Brigadier, schloss die Verträge so ab, dass abzüglich des Anteiles, den das Lager für Kost und Unterbringung kassierte, für jeden noch 195 Rubel pro Monat übrig blieben. Das war das Maximum, das ausgezahlt werden durfte. Mit Andrej hatten sie ein gutes Verhältnis. Er sprach sehr gut deutsch. … usw.
 
Das Rad vom Panjewagen aus Gumbinnen
Kurt Lietz
Es ist durchaus eine ungewöhnliche Angelegenheit, ein Holzrad, nur 65 cm im Durchmesser, 12 Streben, wuchtiger Buchse, durch ein 5 cm eisernes Felgenband zusammen- gehalten, mit bereits verblasster grau- blauer Farbe, eine Geschichte erzählen zu lassen. Eine Geschichte, die sich tausendfach Ende des 2. Weltkrieges zugetragen hat, die von Strapazen und Mühen kündet und die das Rad lebendig werden lässt.
Panje ist ein slawisches Wort und stellte in Polen den Besitzer eines kleineren Landgutes dar oder den Bojaren in Russland als Aristokraten. Deshalb darf es nicht verwundern, dass zu einem Panje auch ein Panjewagen und ein Panjepferd gehörten. Das Panjepferd zählte zu einer widerstandsfähigen Landrasse, die in Osteuropa einen weit verbreiteten mittelgroßen Pferdetyp darstellte.
Ich selbst drehte mich auf einem Metallteil am Ende einer hölzernen Achse, wo ein Stift oder eine Lünse mich an den Wagen fest kettete. Ohne zerstörerische Fremdeinwirkung konnte ich mich von ihm nicht lösen.
Gumbinnen, ehemalige Hauptstadt des Regierungsbezirkes Ostpreußen, unweit der sowjetischen Grenze gelegen, ist mein Herkunftsort und meine Heimatstadt. Hier wurden mehrere Sprachen gesprochen, je nach geschichtlichem Zeitabschnitt, wer regierungsmäßig gerade das Sagen hatte.
Wie ich mit dem Panjewagen in den Besitzstand einer deutschen Familie gelangte, kann ich nicht sagen. Auf jeden Fall ist dieser Panjewagen nicht gleichzusetzen gewesen mit einer Kutsche, einer Droschke, einem Kremser oder Landauer, oder sogar einer Kalesche. Die Achsen und die Räder mussten die Last direkt schultern, ohne Wagenfedern.
Als sich im Herbst 1944 die Baltische und Bjelorussische Front immer näher an die ehemalige Reichsgrenze heranschob, wurde es allerhöchste Zeit, der Aufforderung der deutschen Verwaltungsorgane nachzukommen und sich in den Flüchtlingstreck einzuordnen.
 
Wendepunkt
Brigitte Albrecht
 JOB IST 
 NEUES KONZ
 WU
 UNEN
 WID
 AUS
 STRESS P
 SON
 FUN
 KONTINUITÄT BRING
WEG.
EPT FEHLT;
NDER AUCH.
DLICH TRAURIG.
ERSTAND WÄCHST.
PROBIEREN BEGINNT.
UR.
NE GIBT KRAFT.
KTIONIERT WIRKLICH.
T HALT UND GLÜCK.
 
Das Mädchen aus dem fernen Osten
Brigitte Albrecht
Es war einmal eine Pastorentochter, die lebte weit weg im fernen Osten, im Land der ungeahnten Möglichkeiten. Ihre Heimat war ein kleines Paradies. Überall gab es Seen und Flüsse, Wälder, grüne Wiesen, bunte Felder. Und noch viele blühende Landschaften sollten dort entstehen - ohne Schweinepest, Rinderwahnsinn oder Vogelgrippe. Vor allem gab es sehr viel reine Luft.

Es war die Zeit, als starker Ost-Wind durchs Land brauste. Mit ihm stürmten auch die Menschen auf die Barrikaden. Im Westen was Neues! - Im Osten auch. - Da dachte sich die kühne Pastorentochter, die aus einer kleinen Stadt kam und doch das einfache Land liebte: Ein neuer König muss her! Verkohlt wurde das Volk lange genug. - Aber wie geht man da vor? - Soll ich einfach die Riege der Kohl-Köpfe, deren Chef mich einst liebevoll "das Mädchen" nannte, auch verkohlen? - Wie war das mit der "Quadratur des Kreises"? Was lehrte mich die Natur? Was sagte mir die Biologie? Was die Quantentheorie? - Ein Quäntchen Glück gehört zum Leben!

… Unwetter zogen übers Land. Eine Katastrophe jagte die andere. Mit jedem Donner grollte auch das Volk, das unter großer Spannung stand und zum Widerstand bereit war, immer mehr. Und schließlich schrie es nur noch: "Angie, Angie!" So wurde der alte König verdrängt.

… Angies größtes Problem aber war: Wie komme ich auf den Königsstuhl?
DER Königsstuhl, das sagt schon das Wort, ist nur für einen König, nicht für eine Königin. Und ihr ärgster Feind war der weiße Riese. Er besaß die Macht über das gesamte Bergland. Und weil dieses sehr dicht am Himmel lag, ging sein Machtbereich sogar fast bis zum lieben Gott - so erzählte man es jedenfalls. Wenn der Riese in sein Horn stieß, wusste niemand genau zu sagen, was alles wackeln oder einstürzen würde.

… Sie (Angie) trank mit fast allen Landesfürsten aus den gleichen Becherchen. Und ohne mit ihnen im selben Bettchen zu schlafen, tastete sie sich sehr vorsichtig von einem zum anderen. Nicht überall wurde sie fürstlich empfangen. Aber das störte sie nicht. Oder doch? Das weiß man nicht so genau. Ihre Gefühle wollte sie nicht zeigen - nirgends und niemandem.

… Der berühmteste Figaro des Landes, der auch für den alten König und verschiedene Fürstinnen und Fürsten tätig war, witterte ein sehr gutes Dauergeschäft. Drum flog er eiligst zu Angie und sprach: "Gnädige Frau, wenn Ihr unsere First Lady werden möchtet, dann braucht Ihr unbedingt einen neuen Kopf und anderes mehr. Ich war so frei, und habe gleich die besten Stylisten und Modeschöpfer mitgebracht, die Euch gern beratend zur Seite stehen möchten!" - Angie war überrascht, dennoch ging sie einen Kompromiss ein mit den Worten: "Meine Herren, ich danke für Ihr Angebot, aber wir werden da sehr, sehr langsam vorgehen, denn ICH bin ICH und ICH werde ICH bleiben, schließlich habe ICH meinen eigenen Kopf!" - Gesagt, getan. - Und während im Königspalast schon feste gewerkelt und gemerkelt wurde, wurde unsere Angie immer schöner. Sie war so glücklich darüber, dass sie nur noch strahlend durchs Land ging, fast königlich, wie ein Engelchen; allerdings mit stark gestutzten Flügeln.

… Trotz aller Widrigkeiten kam es danach doch noch zur Krönung. Da zeigte Angie sogar zum ersten Mal für einen Augenblick in der Öffentlichkeit emotionale Regungen. Und sichtlich gerührt nahm sie mit den Worten "... so wahr mir Gott helfe!" die Krone entgegen. Nun stand sie unter dem Symbol der Macht. Damit wurde ihr großer Traum aus mehr als tausendundeiner Nacht Wirklichkeit.


… Wie das Märchen weiter geht und ob sie die Krone aufbehalten wird, das werden wir erst erfahren, wenn die nächsten drei oder sieben oder zweimal sieben Jahre vergangen sein werden.

 
 
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