Die Quellen der Vielfalt 
  Dieser Planet müsste jeden Außerirdischen beeindrucken: wie ein
  blaues Juwel schimmert die Erde im dunklen Weltraum. Und sollten
  jemals Bewohner fremder Sterne von diesem betörenden Anblick
  angelockt werden, sie würden noch Erstaunlicheres entdecken:
  Naturräume der verschiedensten Art - Weltmeere und Wüsten,
  Eismassen und Bergmassive. Als größtes Wunder dieser Erde
  jedoch würden sie die schier unermessliche Vielfalt der Lebensformen
  in ihr Logbuch schreiben.

  In den vergangenen 3 Milliarden Jahren hat sich auf unserem Planeten
  ein Artenspektrum entwickelt, das ihn einzigartig im Sonnensystem,
  ja vielleicht sogar im ganzen Universum macht. Die Tier- und Pflanzen-
  Arten sind so zahlreich, dass von den geschätzten mindestens 20 bis
  30 Millionen Arten bis heute erst 1,4 Millionen identifiziert und
  wissenschaftlich beschrieben werden konnten. Quell dieses enormen
  Artenreichtums ist die Vielfalt der Ökosysteme. Die zahlreichen
  Lebensräume, wie die Gebirge mit ihren wechselnden
                            Vegetationszonen, die Savannen und Steppen, Wälder
                                 und Feuchtgebiete in ihren unterschiedlichsten
                                     Erscheinungsformen, die Wüsten, Tundren,
                                     Weltmeere, die Arktis und die Antarktis bieten
                                  alle voneinander abweichende Lebensbedingungen
                              und daher unterschiedliche Artenzusammensetzungen.
                                                 Jede Art ist an ihren speziellen Lebensraum
                                                  genau angepasst und kann nur in diesem
                                                   überleben. Jeder, der in seinem Aquarium
                                                 tropische Fische hält, weiß, dass der Neon-
                                                                  fisch bei einer Wassertemperatur
                                                                    unter 4°C verendet. Forellen wie-
                                                                          derum können sich nicht in zu
                                                                                 warmem oder zu saurem
                                                                                         Wasser fortpflanzen.
                                                                         Die Anpassungsfähigkeit und
                                                                           damit das Vorkommen jeder
                                                                                    einzelnen Art kann weit

   gespannt sein. Die Anpassungsfähigkeit und damit das Vorkommen
   jeder einzelnen Art kann weit gespannt sein. Es hängt ab von physi-
   kalischen und chemischen Faktoren - etwa der Temperatur, dem Licht,
   dem Grad der Feuchtigkeit, der Salz- und Gaskonzentration.

   Auch mechanische Faktoren können entscheidend für das Überleben
   sein: die Wasserbewegungen oder Geräusche etwa - oder die
   Beschaffenheit des Bodens. Und niemand ist allein auf der Welt:

   Auch andere Tiere und Pflanzen begünstigen oder benachteiligen die
   Ansiedlung einer Art - als Partner in einer Symbiose oder als Feind,
   Parasit oder Konkurrent um Nahrung oder Nische.

   In Jahrmillionen haben sich auf diese Weise alle Arten durch fort-
   währende Auseinandersetzungen miteinander und ihre Umwelt in
   Aussehen und Verhalten, in Anzahl, Verbreitung und sozialer
   Organisation der vorherrschenden Lebensbedingungen in den
   verschiedensten Lebensräumen angepasst. Nur so haben sie
   überlebt.

   Säugetiere in Wüstengebieten etwa: viele von ihnen haben längere
   Ohren und Beine entwickelt als ihre Verwandten in gemäßigten
   Klimazonen, denn verlängerte Körperteile eignen sich besser,
   Körperhitze abzugeben.

   Der Schneehase wechselt die Farbe seines wärmenden Fells - von
   braun im Sommer zu weiß im Winter - um sich besser vor Raubtieren
   verstecken zu können.

   Viele Bewohner der nördlichen, Erdhalbkugel, wie Eisbär und
   Braunbär, ziehen sich in der kalten, nahrungsarmen Jahreszeit zu
   Winterschlaf bzw. Winterruhe zurück, während dies der tropische
   Lippenbär wegen des ganzjährig reich gedeckten Tisches nicht nötig
   hat.

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